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Anwaltskanzlei Valentin Landmann
Unsere Kanzlei berät eine anspruchsvolle Klientel in vielen Rechtsbereichen.
Wie Strafrecht, Markenrecht, Strassenverkehrsrecht oder Steuerrecht.
Über Valentin Landmann
Valentin Landmann ist heute einer der bekanntesten Strafverteidiger der Schweiz.
Einer breiten Öffentlichkeit wurde er u. a. durch seinen Einsatz für die «Hells Angels»
und diverse Randgruppen im Rotlichtmilieu bekannt.
Literatur zu Valentin Landmann
Verbrechen als Markt - Valentin Landmann
Als Milieuanwalt kennt Valentin Landmann die Geschäfte der Halb- und Unterwelt
sehr genau. Das Verbrechen ist in seiner spannenden Darstellung vor allem ein
Marktsegment mit Wachstumsraten. Und mehr als nur einmal ist unklar, wo der
legale Teil Gesellschaft aufhört und der illegale anfängt. Verbrechen und Vergehen
werden hier unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet. Verbote
nach Landmann für Verbrecher, Schieber und Schmuggler nichts anderes als Risikofaktoren
und damit betriebswirtschaftlich gesehen Kosten. Doch wer zahlt Kosten? Wer
sind die Leidtragenden? Kann man Auswüchse bekämpfen, indem man die Anreize
anders setzt? Der Autor zeigt: Das Verbrechen funktioniert Schattenwirtschaft
nach den selben ökonomischen Gesetzen wie der Markt – ein Aspekt, der beim Versuch,
Verbrechen und ihre Auswüchse zu bekämpfen, meist vergessen wird.
Es gibt in Zürich kaum einen schillernderen Anwalt als Valentin Landmann.
Für die Rockergang der Hells Angels geht er seit Jahren durchs Feuer; den
Genüssen der feinen Gesellschaft ist er keinesfalls abgeneigt. Dieser Seiltanz
zwischen Langstrasse und Zürichberg stürzt ihn zuweilen in Nöte:
Landmann kennt das Untersuchungsgefängnis auch von innen. Warum funktioniert
dieser "Milieu-Anwalt" so und nicht anders? Ein wichtiger Schlüssel
liegt in seiner gutbürgerlichen Herkunft, aus der er eines Tages ausbrechen
musste.
Im Fifa Club Sonnenberg, bei den Reichen, Mächtigen und Prominenten nicht
nur aus der Welt des Fussballs, soll es sein. Seine goldene Mitglieder-Karte
öffnet Tür und Tor zu einem der attraktivsten Restaurants, das hoch
oben über Zürich gelegen eine atemberaubende Aussicht auf die Stadt
bietet. Als Valentin Landmann an diesem Mittwochabend kurz nach 20.30 Uhr mit
etwas Verspätung und einer beflissen vorgetragenen Entschuldigung eintrifft,
begrüsst ihn das Personal so respektvoll wie herzlich. Man kennt sich,
weiss, dass "Doktor Landmann" am liebsten auf der Terrasse diniert
und gerne Cordon Bleu oder Siedfleisch verzehrt. Der Anwalt ist ein geschätzter
Gast in diesem Zirkel der Exklusivität.
Doch so gern sich Landmann in dieser Sphäre aufhält - mindestens
so lieb, wenn nicht lieber, ist ihm das Klublokal der Hells Angels in den Niederungen
des "Chreis Cheib" an der Zürcher Langstrasse. Wie jede Woche
hockte er auch an diesem Mittwochabend bis viertel nach Acht mit den furchteinflössenden
Harley-Fahrern in ihren schwarzen Lederkluften zusammen und liess sich ein saftiges
Steak vom Grill und einen Schokodrink schmecken. Weil er trotz jahrzehntelanger
Verbundenheit mit dem Klub nie in den Rang eines Mitglieds erhoben worden ist,
schickt man ihn jeweils weg, wenn der offizielle Teil der Sitzung beginnt. Das
ist ein eingespieltes Ritual, das er hinnimmt, klaglos und ergeben, und so war
es auch diesmal.
Allerdings schwante ihm Böses, als er das Klublokal verliess und sich
einem mehr als hundertköpfigen Polizeiaufgebot in Kampfmontur gegenübersah.
Die Polizei, versuchte er sich zu beruhigen, musste es auf das Rotlichtmilieu
oder die Drogenszene abgesehen haben. Schliesslich war rund um den "Klub"
in letzter Zeit nichts Besonderes vorgefallen. Also startete er seinen Audi
RS6 und steuerte ihn Richtung Sonnenberg. Gegen 22 Uhr, nach einer gewaltigen
Portion Siedfleisch und zwei Gläsern Rioja, erreicht ihn schliesslich ein
Handy-Anruf und versetzt ihn in Alarmbereitschaft: Grossrazzia bei den Angels,
alle Mitglieder verhaftet, Verdacht auf organisierte Kriminalität. Die
Gerüchte überschlagen sich. Valentin Landmann taucht gedanklich ab,
fordert fast unwirsch Ruhe am Tisch. Das will etwas heissen bei einem Mann,
der normalerweise von so ausgesuchter Zuvorkommenheit ist, dass ein guter Freund
sein Benehmen einst mit "höfisch-aristokratischer Wohlerzogenheit"
verglich.
Jetzt aber ist der Anwalt ausser sich. In höchster Erregung führt
er in schneller Folge ein gutes Dutzend Gespräche am Handy und schildert
jedesmal detailliert, was im Klublokal vorgefallen sein soll. Er versucht in
Erfahrung zu bringen, ob die Polizei auch die St. Galler, Rheintaler und Genfer
Klubmitglieder verhaftet hat. Unbeeindruckt von der Anwesenheit weiterer Gäste
kommentiert er lauthals den "absurden Verdacht", die Hells Angels
könnten den Tatbestand einer kriminellen Organisation erfüllen. Als
er hört, dass zwischen 300 und 400 Polizisten im Einsatz gewesen sein sollen,
wird er gar ausfällig: "Ja, sind denn die geisteskrank?"
Sein Gesicht hat sich gerötet. Er stürzt ein Glas Mineralwasser hinunter,
lässt schwarzen Kaffee kommen und telefoniert ohne Unterlass. Als er gegen
23.30 Uhr immer noch wie ein Gehetzter eine Nummer nach der anderen wählt,
nach wie vor unansprechbar für seine Umgebung, fragt man sich konsterniert:
Was treibt diesen Mann? Ist es die Sorge um die Freunde? Empörung angesichts
eines unverhältnismässigen Kraftakts der Polizei? Die Nervosität
des Anwalts, der weiss, dass er am folgenden Tag ein brandheisses Mandat auf
dem Pult hat? Oder ist es Angst um die eigene Person, die möglicherweise
mit in den Strudel der Beschuldigungen gerissen werden und gar verhaftet werden
könnte? Landmann bleibt an diesem Abend eine Antwort schuldig. Die Heftigkeit
seiner Reaktion lässt immerhin erahnen, welchen Stellenwert die Hells Angels
in seinem Leben einnehmen.
Das erstaunt insofern, als dieses Leben in einem durch und durch bürgerlich-akademischen
Milieu seinen Anfang genommen hatte. Der kleine Valentin wurde 1950 in St. Gallen
als Sohn der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Salcia Landmann und des
Philosophie-Professors Michael Landmann geboren. Dieser folgte kurze Zeit nach
dem Zweiten Weltkrieg einem Ruf an die Berliner Universität, und so wuchs
der Sohn, ein Einzelkind, mit seiner Mutter und Grossmutter in einem reinen
Frauenhaushalt auf.
Schon als Sechsjähriger las er fliessend, entdeckte seine Freude an abstrakten
Gedankenspielen und dachte daran, dereinst Jurist zu werden. Er war ein schwächlicher
Junge, der zu Fülligkeit neigte und sich im Turnunterricht blamierte, weil
er nie die Kletterstange hochkam. Dazu sprach er Hochdeutsch und galt unter
seinen Klassenkameraden als Sonderling. Nur wenn er bei den Hausaufgaben half,
stiess er auf Sympathie. Die meiste Zeit aber schnitten sie ihn und spielten
ohne ihn. Die Erfahrung, dass Freundschaft und Wohlwollen nur zu haben waren,
wenn er dafür in irgend einer Form bezahlte, war schmerzlich und prägte
ihn nachhaltig.
So flüchtete er sich in die Welt der Erwachsenen und brillierte als heller
Kopf in vielen Gesprächen mit Intellektuellen wie Jean Amery, Ernst Bloch,
Max Horkheimer, Martin Buber und Horst Bieneck, die in seinem Elternhaus ein-
und ausgingen. Bei diesen Gelegenheiten wurde er mit belastenden Themen wie
dem Zweiten Weltkrieg, dem Holocaust, dem allein zweihundert Angehörige
seiner weitverzweigten Familie zum Opfer gefallen waren, Vertreibung, Entwurzelung
und Exil konfrontiert. So blieben seine kindlichen Wünsche nach Unbeschwertheit,
Spass und Spiel notgedrungen auf der Strecke. Dazu kam, dass seine Mutter eine
Frau war, die intellektuelle Leistung, Disziplin und Kontrolle über alles
stellte und Gleiches von ihrem Sohn forderte. Valentin war brav und erfüllte
die mütterlichen Erwartungen, ohne auch nur einmal aufzubegehren. Am Gymnasium
in St. Gallen war er Klassenprimus und schloss mit einer Maturanote von 5,6
ab.
Ende der sechziger Jahre nahm er sein Jurastudium an der Universität Zürich
auf und blieb seinem gewohnten Stil treu. Landmann war hochkorrekt, pflichtbewusst
und autoritätsgläubig. Während sich seine Kommilitonen von den
französischen Studentenunruhen anstecken liessen und für Selbstbestimmung,
Basisdemokratie und freie Liebe auf die Barrikaden gingen, war der junge Landmann
überzeugt, dass in der Schweiz alles zum Besten bestellt sei. Er zog seine
Studien in der Minimalzeit von sechs Semestern durch. Zu den Vorlesungen erschien
er stets im weissen Hemd und mit Krawatte, das Haar züchtig zurückgekämmt.
Er nahm immer in der ersten Reihe Platz und folgte aufmerksam den Ausführungen
des gefürchteten Zivilrechtlers Professor Max Keller, dessen Lieblingsschüler
er war. "Landmann hatte ständig den Finger oben", erinnert sich
Bruno Steiner, einst Kommilitone, heute Anwalt in Zürich. "Er wusste
oft vieles besser als der Professor und nervte uns als Klugscheisser."
Einmal mehr landete er also in der Ecke des Strebers, war isoliert und unbeliebt.
Dafür beendete er sein Studium mit summa cum laude und legte nach nur zwei
Semestern seine Dissertation vor. Die strenge Mutter nickte beifällig,
als ihr Sohn die vorgezeichnete akademische Laufbahn einschlug und an den Universitäten
in Zürich und St.Gallen Vorlesungen in Zivilrecht zu halten begann. Jetzt
würde es nicht mehr lange dauern, und ihr Valentin würde der Familie
als Professor alle Ehre machen. Die Habilitation zum Thema Produktehaftung nahm
Formen an; ein Grossteil war bereits geschrieben.
Doch dann kam der Bruch, hart und heftig. 1979 hatte sich Landmann zu Studienzwecken
als Gast am Max-Planck-Institut in Hamburg eingeschrieben. In der hochkarätigen
Institutsbibliothek wollte er Werke und Schriften suchen, um seine Habilitation
abzuschliessen. Auf einmal aber zog die Stadt Hamburg mit ihrem weltberühmten
Vergnügungsviertel St. Pauli und der als "Sündenmeile" verschrieenen
Reeperbahn den Dreissigjährigen in ihren Bann. Statt sich um Produktehaftung
zu kümmern, interessierte er sich brennend fürs Rotlichtmilieu und
die Unterwelt. Er fragte sich, wo und wie Gangster leben. Bei seinen Streifzügen
kam er in Kontakt mit den dortigen Hells Angels. Das waren ja gar keine bösen
Männer, staunte er, sondern höchstens "unangepasste, selbständig
denkende und freiheitsliebende Individualisten". Er war empört, als
er erfuhr, mit welch "unverhältnismässiger Gewalt die deutsche
Polizei gegen diese kleine Gruppe von Motorradfahrern vorging" und bot
ihnen seinen juristischen Beistand an.
Nach diesen Erlebnissen, die ihn im Mark erschütterten, packte Landmann
seine bereits 500 Seiten umfassende Habilitation und fütterte sie dem Reisswolf.
In einem Anfall von Zerstörungswut steckte er Bund für Bund in den
Shredder. Damit hatte er nicht nur die Arbeit von Jahren zunichte gemacht, sondern
unwiderruflich mit seiner akademischen Karriere gebrochen und gleichzeitig eine
klare Distanzierung von den Idealen seines Elternhauses vorgenommen. Seine Mutter
reagierte mit grosser Enttäuschung.
Landmann interpretiert diesen Akt höchster Aggression als "aufgestauten
und verspäteten Schub pubertärer Staatskritik." Der Kontakt zu
den "Angels", wie er sie konsequent nennt, habe ihn gelehrt, die Augen
zu öffnen und erstmals in seinem Leben radikal nachzudenken. Das wäre
die rationale Erklärung, jene für die Mutter sozusagen. Vielleicht
hatte aber die Abkehr von einem Leben, das wenig Sinnenfreuden barg und sich
im Erfüllen von Pflichten erschöpfte, viel profanere Hintergründe.
Vielleicht war Landmann auch deshalb so fasziniert von den Hells Angels, weil
sie für ihn die Verheissung eines bislang verbotenen Lebens darstellten,
in dem man fressen, saufen und lieben durfte, ohne sich dafür entschuldigen
zu müssen.
Landmann, dieser weiche Mensch, der nie laut wird im Gespräch und den
viele als aalglatt und unterwürfig erleben, hatte unter den Hells Angels
tatsächlich Männer mit Eigenschaften gefunden, die ihm abgehen. Geradezu
ehrfürchtig spricht er von den "Querköpfen, die das Herz auf
der Zunge tragen und sich einen Dreck darum scheren, was andere von ihnen denken".
Er verehrt in ihnen das "männliche, martialische Urvieh", das
im Zürcher Lokalfernsehen klar macht: "Ich lasse mir nicht auf die
Eier treten oder ans Bein pissen. Sonst gibt es einen 'Satz'." (Jürg,
46, Zürcher Hells Angel in Talktäglich auf TeleZüri, 3. Mai 2004).
Da proklamiert also einer das Faustrecht und weckt in Landmann, dem intellektuellen
Anwalt mit den femininen Händen, die Bewunderung für den "ganzen
Mann".
Zurück in der Schweiz nahm er seine Tätigkeit in der renommierten
Anwaltskanzlei Wenger & Vieli auf. Er galt in der Branche bald einmal als
brillanter Jurist, der dank grossem Wissen, aber auch wegen seiner überdurchschnittlichen
Auffassungsgabe und starker Rhetorik vor Gericht zu beeindrucken wusste. Gleichzeitig
intensivierte er seine Kontakte zu den Zürcher Hells Angels. Als diese
Anfang der 80er-Jahre ins Visier der Polizei gerieten und unter dem Verdacht
der Zuhälterei und anderer Rotlichtdelikte standen, ergriff Landmann für
sie Partei. Er warf sich für den Klub in die Bresche und tat der Öffentlichkeit
ohne Rücksicht auf sein Image kund, dass er auch privat ein Freund der
"Höllenengel" sei. Damit überstrapazierte er die Toleranz
seiner Kanzleipartner. In einer Zeit, in der die Hells Angels als klandestiner
Bund gewalttätiger Waffen-, Drogen- und Frauenhändler galten, konnte
ein bürgerliches Juristenbüro niemanden gebrauchen, der sich zur gewalttätigen
Rockergang bekannte und sich zusehends als Milieuanwalt profilierte. 1984 musste
Landmann gehen und machte sich selbständig. Kurz darauf kam es auch zum
Bruch mit der Freisinnig-demokratischen Partei FDP, wo er seit einigen Jahren
Mitglied war.
Aller damaligen Rebellion zum Trotz ist Landmann ein Mensch, der im tiefsten
Inneren Harmonie sucht. Er tut sich schwer damit, Kontakte abzubrechen. Viel
lieber baut er Brücken zwischen Personen, Parteien oder gar Welten und
hebt auf diesem Weg Unterschiede und Dissonanzen auf. Genauso verfuhr er, als
er seiner Mutter ein paar Hells Angels in das Elternhaus nach St. Gallen brachte,
um den Graben zuzuschütten, der sich nach dem Abbruch seiner Habilitation
zwischen den beiden aufgetan hatte. Der gemeinsame Grillplausch tat die erhoffte
Wirkung. Salcia Landmann diskutierte interessiert mit den fremden Männern
und signalisierte nachher ein gewisses Verständnis dafür, dass ihr
Sohn, den sie so gern auf dem Gipfel des akademischen Olymp gesehen hätte,
sich jetzt lieber in der Gegenwart von breitschultrigen Harley-Davidson-Fahrern
aufhielt. Ähnlich motiviert war Landmann auch, als er einige Hells mit
dem ehemaligen Zürcher Stadtpräsidenten Thomas Wagner zusammenbrachte:
"Mir ging es darum, Vorurteile und Missverständnisse auszuräumen
und deutlich zu machen, dass die Angels viel besser sind als ihr Ruf."
Landmann scheut auch vor Gericht Konfrontationen. Das ist mehr als erstaunlich
für einen Strafverteidiger, dessen Arbeit naturgemäss im Spannungsfeld
heftigster Gegensätze und oft unversöhnlicher Kontroversen angesiedelt
ist. Er hat einen persönlichen Stil entwickelt und verlässt sich dabei
ganz auf die Instrumente des Vermittelns, Schlichtens oder, um im Bild zu bleiben,
des Brückenschlags. So rät er seinen Mandanten, dem Gericht wenn immer
möglich mit einem (Teil-) Geständnis, das beweisbare Delikte abdeckt,
unnötige Arbeit abzunehmen und es so milder zu stimmen.
Seine Plädoyers sind bekannt für ihre psychologische Plausibilität.
Geschrieben werden sie nach Landmanns Vorgaben oft unter wesentlicher Mitwirkung
seiner geschiedenen Ehefrau Anna, einer erfahrenen Juristin, die in seiner Kanzlei
arbeitet und mit der er eine erwachsene Tochter hat. Die Plädoyers erzählen
dem Gericht die Geschichten von Menschen, ihren Abgründen und Irrwegen
und machen so ihre Taten nachvollziehbar. Landmann zielt auf die Gefühle
der Richter, ihre menschliche Ader und sucht - einmal mehr - den Brückenschlag.
Kritik an einem Verfahren, Angriffe gegen den Staatsanwalt oder Beleidigungen
einer Zeugin hört man von ihm nie. Und wenn ihm doch einmal eine verletzende
Bemerkung entschlüpft, entschuldigt er sich sofort in aller Form. "Er
tritt als Bittsteller an", sagt Bruno Steiner, der jahrelang als Richter
tätig war und ihn oft erlebt hat, "nicht als Fordernder."
Landmann hat Erfolg mit seinem Vorgehen. Viele Klienten schätzen seine
zuvorkommende Art, die Aufmerksamkeit, mit denen er ihnen stundenlang zuhört,
sein Engagement für jeden einzelnen Fall. Es tut dem kleinen Junkie genauso
gut wie der Bordellbesitzerin, dass ihr Anwalt gemäss eigener Aussagen
"null Berührungsängste gegenüber fremden Welten" kennt
und frei von moralisierendem Schubladendenken ist. Innert Kürze erzielt
er mit seinen Mandanten ein hohes Mass an Vertraulichkeit, die er gerne mit
dem Du besiegelt. Oft entstehen so Beziehungen, die den beruflichen Rahmen sprengen.
Landmann übernimmt dann die Funktionen eines Sozialarbeiters und Seelsorgers
- und nicht selten auch die eines Freundes. Dass er dadurch seine professionelle
Distanz verliert und nicht mehr mit kaltem Kopf bei der Sache ist, kreiden ihm
zahlreiche Kollegen an. Er hält dagegen, dass er oft nur auf diesem Weg
die wahren Hintergründe einer Tat erschliessen und seine Mandanten damit
besser vertreten könne. Glaubwürdig? Er lacht sein scheues Lachen,
mit dem er um Nachsicht bittet, und sagt: "Ich kann gar nicht anders. Wenn
jemand nett zu mir ist und mir die Freundschaft anbietet, fällt es mir
schwer, nein zu sagen."
Anfangs der neunziger Jahre wurde Landmann seine Unfähigkeit, professionelle
Distanz zu wahren, zum Verhängnis und trieb ihn an den Rand einer beruflichen
und persönlichen Katastrophe. Er lernte Reinhard Lutz kennen, der vom Zürcher
Obergericht wegen Drogendelikten zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt
und im Juli 1990 bedingt entlassen worden war. Lutz, sagen viele, sei eine Persönlichkeit
von grosser Überzeugungskraft; intelligent, rhetorisch stark und ein guter
Verkäufer seiner selbst. Dazu ist er eine Figur, die die Halbwelt in Reinkultur
verkörpert. Damit übte er auf Landmann eine nahezu unwiderstehliche
Faszination aus. Kein Wunder, waren im Nu enge freundschaftliche Beziehungen
geknüpft.
Zwei- bis dreimal pro Monat trafen sich die beiden zum Essen und diskutierten
intensiv über die berufliche Zukunft des eben Entlassenen. Dabei verstieg
sich Landmann zur Idee, dass Lutz mit all seinen Fähigkeiten wie geboren
für eine erfolgreiche Berufskarriere sei und nur ein paar Türöffnerdienste
brauche, um den Weg der Resozialisierung erfolgreich zu gehen. Nur zu gern übernahm
der Anwalt diese Hilfsdienste. Er eröffnete für Lutz ein Konto bei
der Privatbank Zürich PBZ und stellte ihn persönlich den Bankangestellten
mit lobenden Worten vor. Blind für die kriminelle Energie, die nach wie
vor in Lutz schlummerte, dafür aber besessen vom Wunsch, seinem Freund
Gutes zu tun und sich so sein Wohlwollen zu sichern, entging Landmann, dass
sich Lutz erneut im Drogenhandel betätigte und über fünf Millionen
Franken an schmutzigen Geldern auf das PBZ-Konto einzahlte. Als Lutz am 21.
April 1991 in Zürich verhaftet wurde, trug er mehrere Kilogramm Kokain
auf sich.
Innert Kürze sass auch Landmann für einige Tage in Untersuchungshaft.
Bezirksanwalt Peter Marti beschuldigte ihn unter anderem der Geldwäscherei
und Begünstigung. Ein mehrjähriges Martyrium nahm seinen Anfang. Landmann
erlitt wiederholt schwere Kreislaufzusammenbrüche, gepaart mit schmerzhaften
Krämpfen. Die Anwaltskosten verschlangen nahezu sein gesamtes Vermögen.
Existenzängste peinigten ihn, weil er während Jahren damit rechnen
musste, dass er nach einer allfälligen Verurteilung sein Patent als Anwalt
verlieren würde. Viele seiner Kollegen konnten einfach nicht glauben, dass
ein brillanter Kopf wie er einem Kriminellen vom Kaliber eines Lutz dermassen
naiv aufgesessen sein sollte. Doch Landmann behauptet nach wie vor: "Ich
war felsenfest davon überzeugt, dass Lutz als legaler Geschäftsmann
im Gold-, Auto- und Immobilienhandel erfolgreich resozialisiert worden ist."
Im Dezember 1996 wurde Landmann wegen mehrfacher Geldwäscherei zu einem
Jahr Gefängnis bedingt und einer Busse von 15'000 Franken verurteilt. Die
Aufsichtsbehörde über die Rechtsanwälte verzichtete zwar darauf,
gegen ihn ein Berufsverbot zu beantragen, untersagte ihm aber, während
neun Monaten als Anwalt vor Zürcher Gerichten Mandate zu vertreten. Landmann,
der sagt, ohne seinen Beruf könne er nicht leben, war unendlich erleichtert.
Fragt man ihn, wie es passieren konnte, dass er seine Existenz für Reinhard
Lutz riskierte, kommt die Antwort schnell: "Ich war verblendet, weil ich
mir am Fall Lutz unbedingt beweisen wollte, dass sich meine Theorie von der
Resozialisierbarkeit selbst schwerer Jungs umsetzen lässt." Plausibel?
Landmann zögert, tastet sich weiter vor. Er sei auch wehrlos gewesen, weil
die private Nähe, auf die er sich gegenüber Lutz eingelassen habe,
ihm den klaren Blick verstellt habe. Ein Kollege, der ihn gut kennt, sagt es
deutlicher: "Weil Valentin glaubt, dass Freundschaft nur zu haben ist,
wenn er sich voll und ganz auf die Bedürfnisse des anderen einstellt, verleugnet
er die eigenen, bis es ihm wie im Fall Lutz schier Kopf und Kragen kostet."
Diese Sehnsucht nach Freundschaft und Zugehörigkeit prägt auch sein
Verhältnis zu den Hells Angels in starkem Mass. Obwohl Nicht-Mitglied,
reisst er sich ein Bein für den Klub aus, wenn dieser in Schwierigkeiten
gerät, und leistet juristische Freundschaftsdienste zu Vorzugspreisen.
Wer ihn auf dem Sonnenberg erlebt und gesehen hat, mit welcher Ernsthaftigkeit
und Leidenschaft er sich für seine Freunde ins Zeug wirft, erschrickt bei
dem Gedanken, dass diese Liebe einseitig sein könnte. Genau das behauptet
ein Szenenkenner: "Viele Hells lachen über den komischen Vogel, den
sie nie als einen der Ihren akzeptiert haben." Wer Jürg, den oben
erwähnten 46-jährigen Hells Angel, gemeinsam mit Landmann im Talktäglich
auf TeleZüri sah, stellte zumindest fest, dass der Besitzer eines Tätowier-
und Piercingstudios Landmann während der Sendung keines Blickes würdigte,
derweil ihn dieser immer wieder wohlwollend betrachtete und seinen Äusserungen
heftig nickend beipflichtete.
Landmanns Drang, sich bei anderen Menschen beliebt zu machen, führt mitunter
zu erstaunlichen Verhaltensweisen. Wenn er eingeladen sei, erzählt ein
Freund, bringe er mehrere Kilo Sprüngli-Pralinen, dazu eine Torte und manchmal
auch noch einen Blumenstrauss mit. Er liebe es, seinen Mitmenschen Komplimente
zu machen, und wenn er partout nichts Lobenswertes an einem Gegenüber feststellen
könne, erfinde er etwas. "Landmann", sagt dieser Freund, "ist
unentwegt dabei, seine Umgebung mit Geschenken, Komplimenten oder auch Entschuldigungen,
die in keinem Verhältnis zu seinem vermeintlichen Fehlverhalten stehen,
milde zu stimmen. Überspitzt formuliert, entschuldigt er sich ständig
dafür, dass es ihn überhaupt gibt."
Dazu passt, dass sein Bemühen, bloss nicht anzuecken und zu stören,
groteske Formen annehmen kann. Als er im Verlauf einer Einvernahme zum Fall
Lutz körperlich zusammenbrach und schweissüberströmt am Boden
lag, forderte er Bezirksanwalt Peter Marti allen Ernstes auf, mit seinen Fragen
fortzufahren. Er wolle keinen Anlass geben, jetzt aufzuhören. Kurz darauf
traf die Ambulanz ein und brachte ihn mit Blaulicht ins Spital.
Landmann erzählt diese Episode mit der ihm eigenen entwaffnenden Offenheit.
Er sagt, es gebe für ihn nichts Peinlicheres, als die Hilfe anderer beanspruchen
zu müssen und auf diese Art zur Belastung zu werden. Wie ausgeprägt
sein Widerwille dagegen sein muss, illustriert eine weitere kleine Geschichte.
In jenen Jahren, in denen sein Kreislauf wiederholt kollabierte, habe er furchtbare
Angst gehabt, einmal vor Gericht von einem Anfall heimgesucht zu werden. Als
er eines Tages alle Anzeichen eines nahenden Zusammenbruchs spürte, habe
er sich kurz entschuldigt, sei auf die Toilette verschwunden und habe sich dort
die Hand blutig geschlagen, um die drohende Ohnmacht abzuwehren. Diese Methode,
sagt er, habe sich bewährt.
Unter Ausschluss des Publikums nimmt er die Hilfe Dritter allerdings sehr wohl
entgegen. In seiner Kanzlei im Zürcher Kreis 6 funktioniert er nach übereinstimmenden
Rückmeldungen als zentrales Gestirn. Nebst seiner geschiedenen Frau Anna
arbeiten ihm zwei Anwälte, eine Finanzfachfrau, eine Sekretärin und
die gelernte Treuhänderin Bernadette zu, mit der er seit sechs Jahren zusammen
und seit gut einem Jahr verheiratet ist. Kennengelernt hat er sie an einem Mystery-Weekend
im Berner Oberland, wo sich Laienschauspieler in einem Hotel damit vergnügten,
einen Kriminalfall aufzuklären. Landmann spielte den Lustmörder -
brillant, wie es heisst -, während Bernadette ebenso erfolgreich eine durchgeknallte
Schauspielerin gab.
Wer, fragt man sich zusehends irritiert, ist denn nun eigentlich dieser Valentin
Landmann, der die Wochenenden zusammen mit seiner Partnerin im Elternhaus in
St. Gallen verbringt, das ihm die Mutter vor zwei Jahren hinterlassen hat? Der
unter der Woche nur eine "Absteige" über der Kanzlei benutzt,
weil er vor allem für den Beruf lebt und nach Ansicht Nahestehender "im
Grund genommen ein unbehauster Mensch" ist.
Die einen sagen, Landmann sei eine schillernde Figur. Er verteidige Zuhälter
und Prostituierte, wäre am liebsten ein Hells Angel und habe darum in einem
Lederfrack geheiratet - mit einem Spazierstock in der Hand, dessen Knauf aus
einem Totenkopf besteht. Er selber erklärt den morbiden Stecken als Symbol
für das Thema Endlichkeit, das ihn sehr beschäftige, ähnlich
wie Uhren, die er leidenschaftlich sammelt und oft auch als Muster auf seinen
Krawatten trägt. Landmann ist ein ausgezeichneter Strafverteidiger, sagen
die anderen, der seit zwanzig Jahren eine erfolgreiche Anwaltskanzlei führt
und sich in vielbeachteten Fällen wie jenem des betrügerischen Bankiers
Jürg Heer, des übergriffigen Psychiaters Emil Pinter, eines der Fraumünster-Posträubers
und zahlreicher Drogendelinquenten einen Namen gemacht hat. Landmann, sagte
sein Verteidiger im Verlauf des Lutz-Prozesses, "scheint jemand zu sein,
den man entweder gut oder überhaupt nicht mag". Landmann, sagt letztlich
ein Freund, der ihm wohl gesonnen ist und ihn schon aus gemeinsamen Studientagen
kennt, "ist ein Mensch, den man nicht fassen kann, weil er sich in seinem
Drang, es ständig allen recht zu machen, bis zur Selbstaufgabe anpasst
und damit als Person auflöst."
Und was sagt der Betroffene selber? Landmann zuckt mit den Schultern. Viel
besser könne er sagen, wer er gern wäre: "Ein Wikingerhäuptling,
der mit einem Sanitäterkoffer durch's Land reist und den Menschen hilft."
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